Das Oberliga-Spiel im März 2006 zwischen dem Halleschen FC und dem FC Sachsen Leipzig wird Adebowale Ogungbure wahrscheinlich nicht mehr vergessen können. Der aus Nigeria stammende, damalige Stürmer des FC Sachsen Leipzig wurde das ganze Spiel hindurch von „Fans“ aus Halle rassistisch beleidigt, ohne das Schiedsrichter oder Stadionsprecher irgendwie eingegriffen hätten. Wahrscheinlich aus Hilflosigkeit und aus der Wut heraus stellte sich Adebowale nach dem Abpfiff vor die Hallenser Fankurve und zeigte demonstrativ den Hitlergruß, um damit zu sagen „Ihr seid verdammte Nazis!“. Daraufhin wurde der dunkelhäutige Spieler von Hallenser Anhängern angegriffen, geschlagen und gewürgt, nur das Eingreifen von Mannschaftskollegen konnte Schlimmeres verhindern.
Eine kurze Bestandsaufnahme

Das Oberliga-Spiel im März 2006 zwischen dem Halleschen FC und dem FC Sachsen Leipzig wird Adebowale Ogungbure wahrscheinlich nicht mehr vergessen können. Der aus Nigeria stammende, damalige Stürmer des FC Sachsen Leipzig wurde das ganze Spiel hindurch von „Fans“ aus Halle rassistisch beleidigt, ohne das Schiedsrichter oder Stadionsprecher irgendwie eingegriffen hätten. Wahrscheinlich aus Hilflosigkeit und aus der Wut heraus stellte sich Adebowale nach dem Abpfiff vor die Hallenser Fankurve und zeigte demonstrativ den Hitlergruß, um damit zu sagen „Ihr seid verdammte Nazis!“. Daraufhin wurde der dunkelhäutige Spieler von Hallenser Anhängern angegriffen, geschlagen und gewürgt, nur das Eingreifen von Mannschaftskollegen konnte Schlimmeres verhindern. Dieser – zugegeben sehr krasse – Fall steht für eine Normalität im deutschen Fußball, die erst in den letzten Jahren offen thematisiert und offensiv angegangen wurde. Rassismus im Stadion gehört in manchen Stadien zur Folklore in der Fankurve, die fast zum Spieltag dazugehört wie Stadionwurst und Fangesänge. Das mag vielleicht verwundern, weil ja gerade im modernen Fußball Topmannschaften mit Spielern aus der ganzen Welt besetzt sind und die bewunderten Vorbilder nicht selten dunkelhäutige Spieler aus Brasilien oder Afrika sind. Doch hier zeigt sich, dass Fußball wie kein anderer Sport ein Spiegel dieser Gesellschaft ist. Genauso wie viele Menschen sich angesichts der Globalisierung und der immer größer werdenden Unübersichtlichkeit der Welt besonders auf ihre nationalen Identitäten berufen und eine Rückkehr des Nationalismus beobachtet werden kann, versuchen viele Fans die Identität ihrer Vereine und Fangruppen besonders zu unterstreichen. Nicht selten spielt dabei Deutschtümelei und harte Männlichkeit eine besondere Rolle. Dazu kommt noch, dass Fußball-Fansein sich oft nicht nur durch die Liebe zum eigenen Verein, sondern genauso auch durch die Abneigung zu bestimmten Hass-Vereinen definiert. An sich ist das auch nicht weiter schlimm, sondern gehört eben in normalen Bahnen durchaus einfach dazu. Problematisch wird es dann, wenn diese Muster politisch aufgeladen werden und die Fans sich rassistischer Argumentationen bedienen. Da wird dann eine Mannschaft mit vielen dunkelhäutigen Spielern schnell zur „Negerbande“ oder ein Verein mit reichen Sponsoren zum „Judenverein“ gemacht. In der Absicht, seine Abneigung gegen den sportlichen Konkurrenten zum Ausdruck zu bringen, wird sich bewusst oder unbewusst rassistischer und antisemitischer Vorurteile bedient. Zuletzt konnte man das ganz offen beim Spiel Energie Cottbus gegen Dynamo Dresden im Dezember 2005 beobachten, als Cottbusser Anhänger ein Banner hochhielten, auf dem ein gelber Davidstern mit dem Wort „Jude“ zu sehen war, wobei das D in der Form des Dynamo-Logos gemalt war. Auch wenn es falsch wäre, alle Fans eines Vereins wegen solcher Vorfälle über einen Kamm zu scheren, so ist es doch richtig, dass bestimmte Vereine mehr Probleme mit Rassisten und Nazis in der Kurve haben als andere. So konzentriert sich das Problem mittlerweile in den unteren Ligen, weil hier die Aufmerksamkeit geringer ist und vor allem auch die Medien die Probleme thematisieren. Während in der Bundesliga mittlerweile sehr intensiv an der Problematik gearbeitet wird – wohl auch weil es für das Geschäft schädlich ist und rassistische Fans Topspieler durchaus von einem Wechsel abhalten können – sind die unteren Ligen leider immer noch ein Tummelplatz für rechte Gruppen. Erst nach und nach wächst auch hier die Sensibilität für das Thema.
Der Ball ist bunt!
Die oben beschriebenen Vorfälle sollen aber nicht zu dem Schluss verführen, dass Fußball und seine Fans generell und ausschließlich rassistisch dominiert wären. Eher das Gegenteil ist der Fall. In vielen Vereinen spielen Kinder und Jugendliche mit den verschiedensten Hintergründen ohne Probleme miteinander Fußball. In vielen Stadien feiern die Fans gemeinsam ihr Team, ohne dass die Hautfarbe eine Rolle spielen würde und viele aktive Fans engagieren sich gegen Nazis und Rassismus im Stadion. So haben unmittelbar nach den Vorfällen um Adebowale Ogungbure Leipziger Fans die Initiative „Wir sind Ade“ und „Bunte Kurve“ initiiert, die gezielt gegen Nazis im Leipziger Fußball vorgehen. Das ist nur ein Beispiel für viele Initiativen von Fans, die zum Teil unabhängig von den offiziellen Kampagnen entstanden sind. So existiert seit mehreren Jahren das „Bündnis aktiver Fußballfans“ (BAFF) als Zusammenschluss antifaschistischer Fans. Das BAFF hat unter anderem die Wanderausstellung „Tatort Stadion“ organisiert, die seitens des DFB nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß, weil sie auch rassistische Äußerungen von prominenten DFB-Vertretern thematisierte. Dennoch muss gesagt werden, dass gerade unter DFB-Präsident Theo Zwanziger auch der DFB das Thema Rassismus offener angeht. Seit 2 Jahren existiert mit ALERTA sogar ein europäisches Netzwerk antifaschistischer Ultragruppen, die jedes Jahr eine Aktionswoche veranstalten, in welcher vor allem in den Stadien durch Choreographien auf das Problem aufmerksam gemacht wird. Diese Initiativen zeigen, worauf es eigentlich ankommt: Das Engagement der Fans selbst. Nichts scheint effektiver gegen Nazis in den Stadien zu sein, als eine aktive und vor allem kreative Fanszene, in der für Nazis überhaupt kein Platz ist. Umso wichtiger ist es aber auch, dass diese Entwicklungen nicht durch ein zunehmende Kommerzialisierung und sinnlose Repression im Keim erstickt werden.
Links zum Weiterlesen:
Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) – www.aktive-fans.de ALERTA Network – www.alerta.bplaced.net/wordpress Am Ball bleiben – www.amballbleiben.org Antira Turnier St. Pauli – www.antira-stpauli.org Football against Racism in Europe (FARE) – www.farenet.org Bunte Kurve Leipzig – www.bunte-kurve.de Fansmedia (Indymedia der Fußballfans) – www.fansmedia.org |