Von Nazi-Punks und rechten Rappern

Es war einmal…

Früher erschien es recht einfach, Nazis zu erkennen: Irgendwie waren das die fies dreinblickenden Typen mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln, die irgendwo rumgelungert haben und jeden verprügelt haben, der nicht in ihr Weltbild gepasst hat. Gewaltbereit sind sie zwar immer noch, jedoch lassen sich die Faschos nicht mehr wirklich an ihrem Äußeren erkennen. Das Vorurteil vom Naziskin gehört seit langem in die Mottenkiste. Mittlerweile haben sich Klamottenmarken etabliert, die von ihrer Optik her kaum noch von normalen Marken zu unterscheiden sind. In der Musik kann man eine parallele Entwicklung beobachten. Haben vor Jahren noch schlecht gemachter Rock und Oi dominiert, so machen sich rechte Tendenzen mittlerweile in fast allen Stilrichtungen breit. Selbst in Musikstilen, bei denen man es nicht unbedingt erwarten würde, existieren mittlerweile Bands, die rechts bzw. klar nach rechts offen sind. So galt HipHop lange Zeit als eher links, zumindest aber doch als „Migrantenmusik“ und nicht-rechts. Zu Beginn der 2000er Jahre bewies jedoch die Dessauer Crew Dissau Crime mit ihrem (musikalisch ziemlich mittelmäßigen) Album „Zyklon D“, dass auch Rap als Medium für verblödete Botschaften dienen kann. Auch im Bereich Hardcore, Punk und Oi gibt es eine große Grauzone von Bands, die sich selbst zwar als unpolitisch bezeichnen, jedoch durchaus Nazis auf ihren Konzerten dulden und teilweise auch Kontakte in die rechte Szene haben. Mittlerweile kann man also nicht mehr davon ausgehen, dass bestimmte Musikszenen per se nichts mit Faschos zu tun haben.

Unpolitisch gibts nicht

Interessant ist dabei die Frage nach den Ursachen für diese Entwicklungen. Wirklich eindeutig lässt sich die Frage nicht beantworten. Einerseits ist es sicherlich so, dass die Nazis sehr viel flexibler geworden sind, wenn es darum geht, junge Menschen für ihren braunen Müll zu begeistern und sie gemerkt haben, dass Naziskins und der alte SS-Opa-Style nicht wirklich ansprechend wirken. Andererseits ist aber auch klar, dass es innerhalb verschiedenster Subkulturen auch Tendenzen gibt, die Teile von ihnen nach rechts wandern lassen. Besonders problematisch wird es dann, wenn Nazis bewusst versuchen, in einer Subkultur einzubrechen und auf ein teilweise rechts-offenes Klientel stoßen. Schlimmer wird es dann, wenn es in der Subkultur auch eine gewisse Gleichgültigkeit gibt, was solche Entwicklungen angeht. Diese Gleichgültigkeit wird dann meistens unter dem Deckmantel verhüllt, dass man ja eigentlich „unpolitisch“ sei. Die Frage wäre dann nur, wie „unpolitisch“ jemand sein kann, der keine Probleme mit Faschos hat. Jeder Mensch, der einigermaßen durchblickt wird feststellen, dass es „unpolitisch“ gar nicht geben kann. Zumindest dann, wenn er oder sie versteht, dass „politisch“ nicht automatisch bedeutet für oder gegen eine Partei zu sein, sondern sich einzumischen und zu sagen was man will oder nicht.

Was können wir tun?

Was kann man also tun, wenn man seine Subkultur ohne Faschos genießen will? Eigentlich eine ganze Menge nicht mal sonderlich komplizierter Sachen. Zunächst einmal sollte man sich klar machen, was man eigentlich an seiner Subkultur mag und was man nicht will. Bei allen Unterschieden wird das in Regel bedeuten, dass man stressfrei feiern und vom Alltag abschalten möchte. Das wird dann nicht mehr gehen, wenn irgendwelche Nazis die Deutungshoheit darüber gewonnen haben, wer dazu gehören darf und wer nicht. Und das auf Grund von dummen Kriterien wie Hautfarbe oder Herkunft. Wenn dann auch noch versucht wird, diesen Müll mit Gewalt durchzusetzen, dann geht der Spass schnell verloren.
Dazu kommt, dass man wissen sollte, welche Bands mit welchen Aussagen sich so in der Szene tummeln. Wenn rechte Texte und Nazisymbole erst einmal auf der Bühne toleriert werden, dann wird es nicht mehr lange dauern und sie sind auch im Publikum akzeptiert. Man sollte also genauer hinhören und hingucken und im Zweifelsfall auch mal recherchieren, was hinter so mancher Band vielleicht für Mist steht.
Am eindeutigsten und sichersten ist es aber, wenn Ihr die eigenen Partys und Konzerte ganz eindeutig abgrenzt, indem man ihnen eine klar antirassistische und antifaschistische Message gibt. Das lässt sich ganz einfach dadurch machen, dass man auf die Flyer schreibt, dass Nazis auf der Party nicht willkommen sind oder Leute mit bestimmten, bei Nazis beliebten, Marken nicht eingelassen werden. Außerdem kann man auch Bands einladen, die für eine klare antifaschistische Aussage stehen – z.B. die Bands vom Aufmucken gegen Rechts – Sampler.

Wichtig ist eigentlich nur, dass man etwas tut. Denn Musik ist immer noch für die da, die sie lieben. Und diese Liebe kennt keine Nationalität, Hautfarbe oder Rasse. In diesem Sinne: Love music - hate facism!